January 28, 2020 / 6:12 AM / in 2 months

SAP will nach Übernahmerausch aus eigener Kraft wachsen

FILE PHOTO: A man walks past a SAP logo during the company's annual general meeting in Mannheim, Germany, May 15, 2019. REUTERS/Ralph Orlowski/File Photo

Walldorf (Reuters) - Das neue Führungsduo des Softwareriesen SAP will die Früchte des über Jahre aufgebauten Geschäfts mit Cloud-Software ernten.

Nach einer Serie milliardenschwerer Übernahmen von Spezialisten für Abonnement-Software setzen die Co-Chefs Jennifer Morgan und Christian Klein auf Wachstum aus eigener Kraft. Viele Investoren hätten sich gewünscht: “Nehmt all Eure DNA und zeigt uns, dass ihr organische Innovation schafft”, sagte Morgan am Dienstag in Walldorf. Darauf wolle sich der Weltmarktführer für Firmensoftware jetzt konzentrieren. Die Profitabilität will der Dax-Konzern nach einer Phase mit schwächerer Rendite außerdem durch eine Harmonisierung der Technik und einen strafferen Vertrieb steigern.

Das schon bekannte Wachstumsziel für 2023 bleib unverändert, der Ausblick auf das laufende Jahr ging kaum über die vorherige Prognose hinaus. Die Aktien des nach Marktwert wichtigsten Dax-Konzerns gehörten mit einem Minus von 2,5 Prozent zu den größten Verlierern im Dax. Denn Anleger seien vom Ausblick enttäuscht, hieß es am Markt. Vergangene Woche hatte das Papier noch ein neues Rekordhoch von 127 Euro markiert.

CLOUD-GESCHÄFT WIRD PROFITABLER

SAP stellt seine IT-Lösungen für Unternehmen seit gut zehn Jahren auf den Vertrieb über Software-Abonnements statt über Lizenzen um. Co-Chef Klein erklärte, sieben von zehn Kunden von Firmensteuerungssoftware seien noch nicht von den traditionellen Lizenzen auf Cloud-Programme umgeschwenkt, weil SAP die verschiedenen IT-Lösungen technisch unabhängig von einander angeboten habe. Ein integriertes Produktpaket auf Basis seiner Plattform S/4Hana verspreche wachsenden Umsatz. Mit seinen Lösungen für sämtliche Prozesse in Unternehmen will der Walldorfer Konzern davon profitieren, dass in fast allen Branchen neue digitale Geschäftsmodelle entstehen. Ob ein Autobauer Mobilitätsdienste entwickelt oder ein Einzelhändler Kundenwünsche treffsicherer bedienen will - der Bedarf an neuer Software dadurch sei riesengroß.

Die Wachstumsziele für die kommenden Jahre hatten Morgan und Klein von ihrem Vorgänger Bill McDermott übernommen. Dieser war im Oktober überraschend als Chef des größten Softwarekonzerns Europas abgetreten, um an die Spitze des amerikanischen SAP-Partnerunternehmens Servicenow zu wechseln. Bis 2023 soll der Umsatz um mehr als ein Viertel auf über 35 Milliarden Euro steigen. Der Cloud-Erlös soll mehr als verdreifacht werden. Die um Sonder- und Währungseffekte bereinigte operative Rendite will die SAP-Spitze gegenüber 2018 um fünf Prozentpunkte auf 34 Prozent treiben. Während der Aufbauphase des Cloud-Geschäfts war die Rendite gesunken, weil sich nach dem Vertriebsmodell die Umsätze über mehrere Jahre verteilen und SAP viel Geld für Zukäufe und Investitionen in das Zukunftsgeschäft ausgab. Doch trage das Cloud-Geschäft zunehmend zum Gewinn bei, erklärte Finanzchef Luka Mucic. So stieg die Bruttomarge um fünf Prozentpunkte auf 68 Prozent und näherte sich damit der Zielgröße von 75 Prozent an.

Im abgelaufenen Jahr konnte SAP Umsatz und bereinigtes Betriebsergebnis deutlich steigern, aber nur so, wie von Analysten nach einer Umfrage von Vara Research erwartet worden war. Der bereinigte Betriebsgewinn kletterte um elf Prozent auf 8,2 Milliarden Euro. Bei einem Umsatzanstieg um neun Prozent auf 27,6 Milliarden Euro verbesserte sich die operative Rendite damit um 0,6 Prozentpunkte auf 29,6 Prozent. Das Umsatzwachstum wurde durch die Übernahme des US-Online-Marktforschers Qualtrics Anfang 2019 getrieben, der eine halbe Milliarden Euro erlöste. Der Umsatz im Cloud-Geschäft stieg bereinigt um 35 Prozent und knackte die Schwelle von sieben Milliarden Euro, während der Erlös im traditionellen Geschäft mit Lizenzen um fünf Prozent auf viereinhalb Milliarden Euro sank.

Hohe Ausgaben für Personalumbau und Aktienboni für die Mitarbeiter ließen den Nettogewinn um 17 Prozent auf knapp 3,4 Milliarden Euro schrumpfen. Rund 4000 Beschäftigte verließen das Unternehmen gegen Abfindungen, darunter etwa 1400 in Deutschland. Unter dem Strich wuchs die Belegschaft 2019 dennoch um knapp 4000 auf insgesamt 100.330 Mitarbeiter, davon entfielen rund 600 Neuzugänge auf Deutschland. Für dieses Jahr sei kein Personalabbau geplant, erklärte Mucic. Die Dividende werde trotz des Gewinnrückgangs steigen, kündigte er an.

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