May 4, 2020 / 3:27 PM / a month ago

FOKUS 1-Corona-Auflagen von Athen bis Lagos gelockert - Vorsicht bleibt

(Neu: fasst Entwicklung weltweit zusammen)

* Millionen Italiener dürfen wieder zur Arbeit

* Regierungschef warnt: Pandemie ist noch “voll im Gange”

* Auch in Spanien normalisiert sich das Leben etwas

* Nigerianische Metropole Lagos erwacht wieder zum Leben

- von Crispian Balmer und Jonathan Allen

Rom/New York, 04. Mai (Reuters) - Während Deutschland seinen weiteren Öffnungskurs nach den wochenlangen Coronavirus-Beschränkungen absteckt, lockern auch viele andere Staaten ihre Linie - allen voran Italien. Das besonders stark von der Krise betroffene Land ging am Montag nach zwei Monaten strikter Kontaktsperren einen ersten Schritt Richtung Normalität: Etwa 4,5 Millionen Menschen nahmen die Arbeit wieder auf. Fabriken dürfen zunächst die wichtigsten Produktionszweige wieder hochzufahren.

In Italien sind nach amtlichen Angaben fast 29.000 Menschen an den Virus-Folgen gestorben, nur in den USA sind es mehr. Ministerpräsident Giuseppe Conte will deshalb auch noch keine Entwarnung geben: Angesichts von täglich mehr als 1000 Neu-Infektionen sei die Pandemie in dem Mittelmeerland noch “voll im Gange”. Auch die USA sind von Normalität noch weit entfernt. In der Millionenmetropole New York zog es bei sonnigem Wetter wieder viele Menschen in die Parks von Manhattan. Doch US-Präsident Donald Trump warnte seine Landsleute, die Zahl der Corona-Todesopfer könne letztlich auf 100.000 steigen. In den USA gibt es nach amtlichen Angaben bislang rund 67.000 Tote und 1,1 Millionen Infektionen im Zusammenhang mit dem Covid-19.

RUN AUF FRISEURE IN ATHEN

Etwas aufatmen konnten unterdessen die Griechen: Nach sechs Wochen erheblicher Einschränkungen öffneten Buchläden und Blumenhändler wieder. Wochenlang durften die Menschen ihre Wohnungen nur verlassen, um Lebensmittel und Medikamente einzukaufen oder um Sport zu treiben. Jetzt eilten die Griechen zum Friseur und in Elektrogeschäfte, vor denen sich lange Schlangen bildeten. In Griechenland, wo rund elf Millionen Menschen leben, wurden bislang 2626 Infektionen registriert, 144 Menschen starben infolge einer Ansteckung. Das sind weit weniger als in vielen anderen europäischen Ländern - etwa in Spanien.

Dort hatte Ministerpräsident Pedro Sanchez einen Vier-Stufen-Plan vorgestellt, um bis Ende Juni zu Normalität zurückzukehren und die Wirtschaft wieder anlaufen zu lassen. In der Vorbereitungsphase ab Montag dürfen Friseure und andere Geschäfte, die mit Terminvergabe arbeiten, wieder öffnen. Und Restaurants dürfen Essen zum Mitnehmen anbieten.

Das Eurozonenland Slowakei will derweil die Öffnung seiner Wirtschaft beschleunigen. Da sich der Anstieg der Neuinfektionen verlangsamt habe, könnten Hotels und Taxidienste am Mittwoch mit einigen Einschränkungen wieder den Betrieb aufnehmen, sagte Ministerpräsident Igor Matovic. Auch wieder öffnen könnten Geschäfte außerhalb von Einkaufszentren und Restaurants auf Außenterrassen. Zudem würden Gottesdienste und Hochzeiten wieder möglich sein.

Auch in Aserbaidschan, Malaysia, Israel, Tunesien und dem Libanon wurden Auflagen gelockert. Und nach mehr als vier Wochen Zwangspause im Zuge der Corona-Pandemie erwachte das öffentliche Leben in den nigerianischen Metropolen Lagos und Abuja wieder. Am Morgen waren viele Autos, Busse und Taxis auf den Straßen von Lagos unterwegs, die während des Stillstands weitgehend verwaist waren. Unternehmen müssen allerdings Hygiene- und Abstandsregeln beachten, bevor sie ihre Geschäfte wieder eröffnen.

Japan verlängerte unterdessen den Notstand bis zum 31. Mai. Bislang galt er nur bis Mittwoch, dem letzten Tag einer nationalen Ferienwoche. Die Verlängerung wurde damit begründet, dass die Ausbreitung der Infektionswelle noch nicht stark genug eingedämmt worden sei, um Lockerungen zu erlauben. (Weitere Reporter: Gavin Jones; Lefteris Papadimas und Renee Maltezou, geschrieben von Reinhard Becker; redigiert von Ralf Bode. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter den Telefonnummern +49 69 7565 1236 oder +49 30 2888 5168.)

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